Die zweite Runde der diesjährigen Internationalen Meisterschaft im Supermoto fand am ersten Juniwochenende auf der Kartbahn in Harsewinkel mit ihrer spektakulären und bei Fahrern und Zuschauern gleichermaßen beliebten Sandbahn statt.
Für die Superpole qualifizierten sich in der Quali am Samstagnachmittag Jan Deitenbach, Nico Joannidis ( G ), Bernhard Hitzenberger, Peter Banholzer, Nick Klerks ( G ) und Paul Müller.
In der Superpole gilt es, in einer einzigen Runde eine Zeit in den Asphalt zu brennen, die dem Fahrer für die Läufe möglichst die Pole Position beschert. Eine Runde entscheidet quasi über Sein oder Nichtsein: ein Sturz beispielsweise bedeutet für den betroffenen Fahrer zwangsläufig Startposition sechs, egal wie schnell er in der Quali war.
Auch wenn das mit dieser Saison in der IDM neu eingeführte Format grundsätzlich für ein zusätzliches Spannungsmoment sorgt, nimmt es dennoch der eigentlichen Quali einiges an Attraktivität. Ein Teil der Spitzenfahrer ist nämlich bestrebt, schon in den ersten Minuten eine schnelle Runde hinzulegen, und sich danach entweder in die Teambox oder sogar ins Fahrerlager zum „Kaffeetrinken“ zurückzuziehen. Zurück bleibt ein deutlich verkleinertes Fahrerfeld,
überwiegend bestehend aus den (noch) nicht zu den Favoriten gehörenden Fahrern, die sich redlich darum bemühen, einen Startplatz möglichst weit vorne zu ergattern. Es stellt sich insofern die Frage, ob eine Superpole mit 6 Fahrern zielführend ist, oder ob 3, max. 4 Fahrer (dies entspräche der ersten Startreihe) in der Superpole dem Format und letztlich der Quali den verdienten Glanz verleihen würden.
Wie auch immer, in Harsewinkel jedenfalls ging die Pole Position an Jan Deitenbach, gefolgt von Peter Banholzer, Bernhard Hitzenberger, Nico Joannidis, Nick Klerks und Paul Müller. Nico geht in diesem Jahr als Gast (ohne
Punktewertung) mit dem für diese Saison aufgebauten Motorrad von Markus Class an den Start, der selber aufgrund beruflicher Verpflichtungen in diesem Jahr nicht dabei ist. „Ich habe neulich mit Markus telefoniert, weil ich einige Teile für mein Boot brauchte. Dabei hat er mir erzählt, dass er -anders als ursprünglich geplant- wegen seiner Arbeit in diesem Jahr nicht in der IDM dabei ist. Ich habe ihn natürlich gefragt, was er mit seinem Motorrad macht, wir sind uns dann schnell einig geworden, und ich habe es ihm abgekauft. Fertig.“ Durch neues Equipment beflügelt ließ Joannidis vor den Rennen denn auch keinen Zweifel daran, dass er den Sieg an diesem Tag für sich beanspruchen würde.
Deitenbach ging mit einem Holeshot in den ersten Lauf, gefolgt von Hitzenberger, Joannidis, Banholzer und Müller, aber
bereits kurz nach dem Start ging Joannidis an Hitzenberger vorbei und heftete sich an Deitenbachs Hinterrad. Sofort entbrannte ein erbitterter Kampf um die erste Position, während Hitzenberger und Banholzer auf den Positionen drei und vier die beiden an der Spitze machen ließen. Banholzer kam im Lauf des Rennens zwar dicht an Hitzenberger heran, konnte aber nicht vorbei. Indes sich das Führungsquartett souverän vom Rest des Fahrerfeldes absetzte, lediglich Paul Müller konnte das
Tempo über weite Strecken mithalten, klebte Hitzenberger nach etwa der Hälfte des Rennens an Joannidis Hinterrad, zeigte sich allerdings nur wenig ambitioniert, einen Angriff auf den Gastfahrer zu starten. Banholzer hatte die Hoffnung derweil nicht aufgegeben Hitzenberger doch noch zu überholen, war aber letztlich nicht erfolgreich.
Jan Deitenbach gewann -zunächst- den ersten Lauf vor Nico Joannidis, Bernhard Hitzenberger und
Peter Banholzer. Die Freude über den Sieg hielt jedoch nur kurz an. Jan hatte die Ziellinie auf den Fußrasten stehend und mit hochgerissenen Armen überquert. Zwangsläufig verringert sich dabei die Geschwindigkeit des Motorrades, was ein Verstoß gegen eine seit längerem geltende Regelung ist. Der ein oder andere mag sich noch an einen Vorfall vor einigen Jahren in St. Wendel erinnern, wo ein plötzlicher Tempoverlust eines Fahrers im Zielbereich zu einem Auffahrunfall mit mehreren Verletzten führte. Diese Gefahr bestand in Harsewinkel aufgrund des Abstands Deitenbachs zu den folgenden Fahrern zwar nicht, dennoch muss die Rennleitung einen Verstoß ahnden, insbesondere dann, wenn es zu entsprechenden „Hinweisen“ kommt.
Durch die erst nach der Siegerehrung verlautbarte -im Fahrerlager im Übrigen leidenschaftlich und sehr kontrovers
diskutierte- Entscheidung des Rennleiters wurde Jan Deitenbach im Ergebnis um zwei Positionen rückversetzt (bei Gefährdung des nachfolgenden Fahrers wären es 5 Plätze gewesen) Damit stand Nico Joannidis nachträglich als Sieger des ersten Laufs fest, gefolgt von Bernhard Hitzenberger und Jan Deitenbach, der darüber alles andere als freundlich gestimmt war: „Der Vorwurf lautet ich hätte vor Überquerung der Finishingline Gas weggenommen, so dass jemand hätte auffahren können. Aber wenn man 3 Sekunden Vorsprung in der letzten Runde hat, und ich habe mich ja sogar noch umgesehen und gesehen, dass Platz genug war, wie soll da jemand auffahren? Mir fehlen da im Moment wirklich die Worte. Wir haben jetzt erstmal Protest (Anmerkung: Dem wurde u.a. nach Zeugenanhörung und der Einsichtnahme eines Videos nicht stattgegeben) eingelegt, mal sehen wie es weitergeht. Das Gefühl ist grade echt nicht so geil, und obwohl mein Team intensiv versucht mich zu überreden bin ich im Moment nicht sicher, ob ich den zweiten Lauf überhaupt fahren will. Ich habe vollstes Verständnis für eine solche Regelung, wenn es am Ziel knapp ist und man sich im Zweikampf befindet, dann ist es natürlich gefährlich und in so einer Situation macht das ja auch keiner. Aber mit so großem Abstand? Ich versuche jetzt erstmal meine Enttäuschung zu verdauen und dann sehen wir weiter.“
Der zweite Lauf musste nach einem Crash im hinteren Bereich des Fahrerfeldes gleich in der ersten Kurve neu gestartet werden.
Beim Neustart gelang Jan Deitenbach -der sich dann doch für den Start im zweiten Rennen entschieden hatte- erneut
der Holeshot vor Berni Hitzenberger, Peter Banholzer und Nico Joannidis. Den Angriffsversuchen Banholzers entzog sich Hitzenberger indem er nach der Sandbahn an Deitenbach vorbei an die Spitze des Fahrerfeldes zog und sich recht zügig von seinen Verfolgern absetzte. Während Joannidis etwas zurückfiel versuchte Banholzer nun sein Glück bei Deitenbach, zunächst jedoch vergeblich. Ein kleiner Fehler Deitenbachs im letzten Drittel des Rennens machte die Tür für Banholzer schließlich auf so dass er vorbeiziehen und sich nun an Hitzenbergers Fersen heften konnte. Vor dem Table bot sich für ihn erneut die ersehnte Gelegenheit, die er sofort nutzte um die Führung zu übernehmen und sich nun seinerseits abzusetzen. Deitenbach gab sich letztlich dem Drängen von Joannidis geschlagen und fiel damit auf die vierte Position zurück, was für ihn aufgrund Nicos´ Gaststatus punktemäßig jedoch keinen Unterschied machte. Vielleicht war es aber auch dem Umstand geschuldet, dass er aufgrund der Irrungen über die Platzierung, den Kopf nicht ganz frei bekommen hatte.
Peter Banholzer gewann den zweiten Lauf mit einem beachtlichen Vorsprung von 3,144 Sekunden: „Ich bin natürlich mehr als zufrieden. Im ersten Rennen bin ich an Bernhard nicht vorbeigekommen, der eh recht schwierig zu Überholen ist. Im zweiten Lauf habe ich einen guten Start gehabt, war zunächst Dritter und konnte bei Jan etwas Druck ausüben.
Zunächst bin ich nicht vorbeigekommen, aber dann hat er sich verbremst und das wars dann. Bernhard hat dann gemerkt, dass ich Richtung Off Road außen schon halb vorbei war und ist dann spitz auf die Kurve zugefahren. Ich hab mir dann gedacht ich hol ordentlich Schwung und zieh dann außen vorbei, und das hat dann ja auch funktioniert. Als ich vorbei war hab ich mir nur noch gedacht `nix wie auf und davon´“.
Bernhard Hitzenberger wurde Zweiter vor Nico Joannidis und Jan Deitenbach.
Schnellster Rookie wurde in beiden Rennen Luis Linz.
Ein turbulenter Renntag also, dem Gaststarter Nico Joannidis zu guter Letzt doch noch den ersehnten ersten Podiumsplatz einbrachte: „Ich bin sehr zufrieden, im ersten Lauf war ich Erster, im zweiten Lauf war ich Dritter, normal
müsste ich overall Erster sein. Jan wurde im ersten Rennen wohl zurückgestuft, weil es wohl im Ziel eine Finishing Zone gibt und da muss man mit Gas durchfahren. So sind eben die Regeln. Im zweiten Lauf habe ich einen schlechten Start gehabt, bin schlecht rausgekommen, und nachdem ich jetzt ein Jahr kein Supermoto gefahren bin, passt es mit der Kondition grad nicht so gut. Das Motorrad läuft sehr sehr gut, aber im zweiten Rennen hat die Kondition einfach nicht gereicht, von daher bin ich mit dem Ergebnis absolut zufrieden. Mein Plan ist in Schafheim zu fahren und wenn ich darf natürlich die Nations, oder in St. Wendel die Open Klasse.“
Nach zwei Renntagen führt Bernhard Hitzenberger die Tabelle mit 87 Punkten an, gefolgt von Jan Deitenbach ( 82P ), Peter Banholzer ( 73P ) und Max Orbanz ( 66P ).
Die dritte Partie in der diesjährigen Supermoto IDM findet am Wochenende 04.07.2026/05.07.2026 im tschechischen Cheb statt. RD-Foto wird erst wieder in Schafheim dabei sein, bis dahin wünschen wir Euch eine gute Zeit.
