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Cheb 2019, Supermoto IDM der traurigen Gestalt

Mit großen Schritten neigt sich die Supermoto Saison 2019 ihrem Ende zu. Der vorletzte Renntag der diesjährigen Internationalen Deutschen Meisterschaft fand bei kühlem und regnerischem Herbstwetter am Wochenende 07./08.09.2019 im tschechischen Cheb statt. Wie immer bei den Renntagen in der Kartarena war man auch an diesem Wochenende wieder völlig unter sich: keine Zuschauer, kein Streckensprecher, Keine Grid Girls, keine Stimmung. Kühles und regnerisches Frühherbstwetter tat ein Übriges, so dass am Sonntagabend wohl niemand so richtig traurig war, als der Schlagbaum auf dem Gelände den Weg in Richtung Heimat freigab. Nachdem sich der Schlagbaum allerdings erst nach persönlicher Vorsprache im Restaurace und nach Zahlung der obligatorischen `Übernachtungspauschale´ öffnete, waren beim Verlassen des Gebäude vereinzelt Verwünschungen und Worte wie `Wegelagerei´ zu vernehmen, aber geholfen hat es nicht.

Zum vorletzten Renntag trat Jan Deitenbach weiterhin als Tabellenführer an, Simon Vilhelmsen folgte mit 25 Punkten Abstand auf Platz 2, Steffen Albrecht mit Jan Deitenbach Supermoto IDM DM Cheb 2019 hauchdünner 2-Punkte-Distanz auf Platz 3, und Petr Vorlicek auf Platz 4, ebenfalls mit lediglich 2 Punkten Abstand. Dominierender Fahrer in dieser Saison ist ganz ohne Zweifel Marc-Reiner Schmidt, der jedoch nach 2 Nullrunden in Harsewinkel und Oschersleben aufgrund von Terminkollisionen lediglich auf Platz 8 nach Cheb anreiste. Nach fünf von sieben Renntagen war also zum Start in Cheb vieles offen und alles möglich, so dass neben allem Unbill wenigstens spannende Rennen zu erwarten waren.

Beim Zeittraining sicherte sich Marc-Reiner Schmidt, wenn auch in der letzten Runde, fast schon routinemäßig die Pole Position, etwas überraschend gefolgt von Simon Vilhelmsen und –etwas weniger überraschend- Andreas Buschberger. Max Banholzer, Petr Vorlicek und Jan Deitenbach folgten auf den Plätzen vier bis sechs.

Simon Vilhelmsen Supermoto IDM DM Cheb 2019Beim Start des ersten Laufs überraschte Simon Vilhelmsen ein zweites Mal: mit einem Traumstart ließ er Marc-Reiner Schmidt `stehen´ und ging vor ihm in die erste Kurve. Lange konnte er diese Position jedoch nicht halten, fiel auf Platz zwei zurück und heftete sich sofort an die Fersen des Favoriten; beide setzten sich binnen kürzestem mit erheblichem Abstand vom Rest des Fahrerfeldes ab. Andy Buschberger hielt nach dem Start zunächst die dritte Position von Petr Vorlicek, ging aber kurz darauf zu Boden, fiel ins Mittelfeld zurück und bescherte Vorlicek damit die dritte Position, jedoch ohne Chance, Anschluss an die beiden Piloten an der Spitze zu bekommen. Dahinter lieferten sich Max Banholzer und Jan Deitenbach ein Gefecht um Platz vier, aus dem Banholzer nach kleinem Scharmützel kurz als Sieger hervorging. Buschberger befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits wieder in Lauerstellung auf Position sechs und ging kurz darauf zuerst an Deitenbach und Banholzer, und wenig später auch an Vorlicek vorbei. Mit deutlichem Abstand vor ihren Verfolgern zogen Schmidt und Vilhelmsen derweil unbeeindruckt vom Gerangel hinter ihnen ihre Runden, und auch wenn Vilhelmsen zu keinem Zeitpunkt auf Schlagweite an Marc-Reiner Schmidt Supermoto IDM DM Cheb 2019Schmidt herankam, so gelang es ihm doch, den Anschluss zu behalten. Schmidt gewann den ersten Lauf der S1 vor Vilhelmsen und Buschberger. Petr Vorlicek wurde Vierter vor Max Banholzer und Jan Deitenbach.

Der zweite Lauf fand auf regennasser Strecke statt; auf dem ohnehin nicht sehr griffigen Asphalt in Cheb immer eine besondere Holeshot der Zweite Simon Vilhelmsen Supermoto IDM DM Cheb 2019Herausforderungen für Fahrer, Material und insbesondere Pneus. Dennoch wiederholte Simon Vilhelmsen seinen Holeshot aus dem ersten Rennen, ging vor Marc-Reiner Schmidt und Andreas Buschberger in die erste Kurve und konnte diesmal die Führung über drei Runden behaupten bevor er sich dem höheren Speedpotential Marc-Reiner Schmidts beugen musste und auf die zweite Position zurückfiel. Trotz, vielleicht auch aufgrund, widriger Streckenverhältnisse lief Steffen Albrecht im zweiten Lauf der S1 zur Hochform auf: von Startplatz 7 aus arbeitete er sich rigoros nach Steffen -Albi- Albrecht Supermoto IDM DM Cheb 2019vorne, ließ zuerst Peter Mayerbüchler hinter sich, danach Max Banholzer und nach der Hälfte des Rennens letztlich auch Andy Buschberger, um sich auf Platz 3 einzurichten. Marc-Reiner Schmidt gewann auch den zweiten Lauf des Tages überlegen, gefolgt vom ebenso souveränen Simon Vilhelmsen und –mit etwas Abstand- Steffen Albrecht. Andy Buschberger wurde Vierter vor Jan Deitenbach.

Gewinnen gehört für Marc-Reiner Schmidt inzwischen bereits zur Routine, auch wenn er während der ersten Runden aufgrund der Streckenverhältnisse ein Quentchen seiner üblichen Souveränität eingebüßt zu haben schien: „Gestern war es schon nicht ganz so einfach, weil es zwischendurch immer mal wieder geregnet hat; die Strecke hier ist ja bekannt dafür, dass sie bei Regen sehr rutschig ist. Der Off Road war Marc-Reiner Schmidt Supermoto IDM DM Cheb 2019trotzdem in perfektem Zustand, besser auf jeden Fall, als wenn es ganz trocken ist, aber der Asphalt war etwas schwierig. Trotzdem habe ich beide Rennen gut hinbekommen, ich bin eigentlich selber ein bisschen erstaunt, dass es insbesondere beim zweiten Rennen trotz Regen so gut funktioniert hat. Beide Starts habe ich leider nicht ganz so gut hinbekommen. Im ersten Rennen konnte ich mich nach der ersten Kurve in den Off Road hinein noch am Simon vorbei bremsen, konnte eine gute Pace gehen und das Rennen sicher ins Ziel bringen, weil es eigentlich nur eine Hauptspur gab. Dazu kam noch, dass sie nach etwa 5 Runden angefangen haben, den Off Road am Table zu bewässern, was dann nicht ganz so optimal war. Für das zweite Rennen haben wir komplett auf Regenreifen umgebaut, der Start hat nicht so gut funktioniert und die Strecke war sehr rutschig. Natürlich ist es bei solchen Verhältnissen auch eine Kunst, am Vordermann vorbeizukommen, ohne sich selber oder den anderen am Ende noch zu Fall zu bringen. Die Pace zum Überholen reichte, aber beim Überholen musst du die Spur wechseln und deshalb musste ich mir die Strecke zuerst ein bisschen zurechtlegen, um sicher vorbeizukommen. Nachdem ich dann am Simon vorbei war, hat aber alles gepasst und ich konnte in den ersten Runden 1,5 oder 2 Sekunden Vorsprung herausfahren und das Rennen nach Hause bringen. Ich bin froh, dass es so gut funktioniert hat und ich freue mich jetzt schon, auch in Harsewinkel dabei sein zu können, nachdem ich ja bei zwei Veranstaltungen in diesem Jahr nicht dabei war.“


Nach einer etwas schwierigen Saison war auch Simon Vilhelmsen mit dem Ergebnis des Wochenendes mehr als zufrieden: „Die bisherige Saison war leider nicht sehr erfolgreich, aber es scheint so, als ob wir jetzt wieder zu so etwas wie gutem Speed zurückkommen. Es reicht zwar noch nicht, um den Fahrer an der SpitzeSimon Vilhelmsen Supermoto IDM DM Cheb 2019 zu erreichen und unter Druck zu setzen, aber ich konnte bei beiden Rennen gut Anschluss halten. Die Rennen heute haben den Gewinn der Meisterschaft für mich greifbar gemacht, und wir müssen nun daran arbeiten, das Tempo auch beim Finale in Harsewinkel auf die Strecke zu bringen und so hoffentlich am Ende mit dem Meistertitel nach Hause zu fahren. Ich hoffe wirklich sehr, dass das gelingt“.

Auch für Steffen Albrecht wird es in Harsewinkel darum gehen, ob er am Ende des Tages auf dem Meisterpodium steht, oder nicht. In Cheb startete er als Dritter in der Gesamtwertung, in Harsewinkel wird er mit 3 Punkten Vorsprung vor dem Viertplatzierten an den Steffen Albrecht Supermoto IDM DM Cheb 2019Start gehen: „Das Zeittraining lief leider suboptimal, weil ich mich nicht wirklich gut auf die Bedingungen vom Regen ins Trockene einstellen konnte, obwohl ich die Strecke eigentlich gut kenne. Im ersten Rennen wars dann ein bisschen unglücklich, dass ich gestürzt bin; ich bin ein klein Wenig zu weit gesprungen, und das ging dann ziemlich nach hinten los, so dass ich einen ziemlich heftigen Absturz hatte. Im zweiten Lauf hatten wir dann Regen von Anfang an, da bin ich eigentlich sowieso nicht der Schlechteste, und die Reifen sind natürlich insbesondere bei Regen unschlagbar. Der Asphalt hier in Cheb ist bei Regen etwas unberechenbar, ein paar Spuren lassen sich schon finden, aber wenn du nur ein bisschen abweichst, merkst du sofort, dass es richtig schwierig wird. Ich kam beim Start gut weg, und nachdem ich auf Platz 3 war, habe ich versucht, diesen sicher nach Hause zu fahren. Ich freue mich, dass es gelungen ist und hoffe jetzt natürlich, dass ich nach den Läufen in Harsewinkel auf dem Meisterpodium stehen darf“.

Für Andy Buschberger blieb das Wochenende zwar hinter den Erwartungen zurück, dennoch nahm er es von der humoristischen Seite und räumte freimütig ein: Andreas Buschberger Supermoto IDM DM Cheb 2019„Dürfte ja inzwischen bekannt sein, dass ich sehr gerne mal auf der Strecke liege, und –wie könnte es anders sein- habe ich mich im ersten Lauf dann auch direkt hingelegt, weil ich nach dem Start irgendwie am Hinterrad vom Simon dran war. Naja, dann musste ich halt viele Fahrer überholen, bin allerdings gute Rundenzeiten gefahren und konnte meine Pace über den Rennverlauf auch halten. Der Sturz hätte jetzt nicht sein müssen, aber trotzdem bin ich ein gutes Rennen gefahren, habe eine gute Show fürs Publikum abgeliefert, und das gehört ja auch irgendwie dazu. Durch die Nullrunde wegen der Kollision mit Österreich sind jetzt sowieso schon so viele Punkte verloren, da kann ich jetzt wenigstens was für die Show tun.
Hätte besser laufen können, aber ich bin auch so ganz zufrieden.“

Max Banholzer Supermoto IDM DM Cheb 2019Max Banholzer reiste auf Platz 5 der Gesamtwertung nach Cheb an, musste diese Position allerdings nach dem vorletzten Renntag an Andy Buschberger abtreten: „Beim Zeittraining lief es mit Platz vier für mich eigentlich sehr gut, und auch das erste Rennen war dafür, dass die Strecke trocken war, was ich ja prinzipiell jetzt nicht so toll finde, ganz in Ordnung. Beim Start des zweiten Rennens bin ich auch zunächst gut weggekommen, zuerst bin ich am Andy Buschberger drangeblieben, aber dann ging Steffen Albrecht vorbei und für mich ging es dann nach hinten. Die Strecke war zwar nach dem Regen sehr schwierig, sobald du nur ein bisschen von der Ideallinie abgewichen bist, war es sofort extrem rutschig, aber warum es bei zweiten Rennen für mich so gelaufen ist, kann ich mir selber nicht erklären. Irgendwie war der Wurm drin“.

AngefJan Deitenbach Supermoto IDM DM Cheb 2019ührt von Jan Deitenbach und mit 12, 14 und 3 Punkten Abstand zwischen den ersten Vier Platzierungen in der Gesamtwertung ist in der Meisterschaft nach wie vor alles offen. Der letzte Renntag findet am Wochenende 28./29.09. auf dem Sandbahnrund in Harsewinkel statt und man darf wirklich gespannt sein, in welchen Farben sich das Meisterpodium bei der großen Finalfeier am Abend präsentieren wird.