Nach einer gefühlt ewig dauernden Coronapause ging es am 19.06.2021 und 20.06.2021 auf der Rennstrecke am Vogelsbergring Wächtersbach endlich wieder los: die IDSM, die Internationale Deutsche Supermoto Meisterschaft 2021 startete mit anderthalb Monaten Verspätung in die diesjährige Saison.

Die trotz sinkender Inzidenzen aufgrund der geltenden Infektionsschutzregelungen immer noch notwendige Veranstaltungsgenehmigung des Gesundheitsamtes des Vogelsbergkreises gab es nur unter strengen Auflagen, deren Einhaltung von Ordnungs- und Gesundheitsamt akribisch kontrolliert wurden: Vorlage des obligatorischen GGG-Nachweises ( Getestet, Genesen, Geimpft ), Limitierung der zulässigen Pressevertreter, dauerhaft Maskenpflicht auf dem gesamten Gelände, Zuschauer aufgrund der von Veranstalterseite auf einem solchen Gelände nicht sicherzustellenden Infektionsschutz- und Hygieneauflagen weiterhin Fehlanzeige. Trotzdem war die Stimmung bei Fahrern und Teams ungetrübt, so dass bei tropischen Temperaturen ein spannender Saisonauftakt gelang.

MZickiger off road Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021it einer extra dafür herausgeputzten Strecke, versehen mit neuem Asphalt sowie einem kleinen, aber feinen und bisweilen zickigen Off-Road, begann der Kampf um Platzierungen und Punkte.

Neben den eingeschriebenen Fahrern waren in Wittgenborn insgesamt 4 Gastfahrer mit am Start, darunter für das AST Racing Team der ehemalige Deutsche Meister Markus Class, der vor nicht allzu langer Zeit mit dem Zweitakter Supermotogeschichte schrieb und den eingefleischten Fans des Supermotosports noch in guter Erinnerung ist.
Die etwas reiferen Freunde des Sports werden sich auch noch an den ehemaligen Deutschen Meister der Klasse S2 -nicht zu verwechseln mit der heutigen S2- , Nico Joannidis, erinnern. Nico hat seinen Supermoto-Helm eigentlich schon vor einigen Jahren an den Nagel gehängt, allerdings hat ihn bei einer Stippvisite in Oschersleben im letzten Jahr das Supermotofieber erneut gepackt, sodass er in dieser Saison als eingeschriebener Fahrer für das Team der Michelin Reifenwerke an den Start gehen wird. In Wittgenborn konnte er allerdings verletzungsbedingt leider noch nicht dabei sein.

Steffen Albrecht Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021
Peter Bannholzer Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021Das amtierende Erfolgstrio der letzten Saison, Simon Vilhelmsen, Peter Banholzer und Steffen Albrecht tritt auch in diesem Jahr beim Kampf um Meisterschaftspunkte an, die Chance auf den Meistertitel wird dabei allerdings neben Material, fahrerischem Können und dem unverzichtbaren Quentchen Glück erneut durch die Frage bestimmt werden, mit welcher Häufigkeit Marc-Reiner Schmidt, der schlicht und ergreifend in einer anderen Liga unterwegs ist, an den Renntagen der IDM dabei sein wird, und auch der Deutsche Meister des Jahres 2019, Jan Deitenbach, sollte im Eifer des Gefechts nicht aus den Augen verloren werden. Simon Vilhelmsen Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021
Für Marc-Reiner Schmidt war Wittgenborn nicht das erste Rennen der Saison, er hatte bereits drei Veranstaltungen in der italienischen Meisterschaft hinter sich: „Ich hatte zwar schon den ein oder anderen Patzer, aber dort ist es bis jetzt gut gelaufen für mich, mir fehlen im Moment noch 4 Punkte auf Thomas Chareyre; es ist also noch alles drin. Nächste Woche geht es dann mit Welt- und Europameisterschaft -auch in Italien- los. Aber Marc Reiner Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021jetzt sind wir ja erstmal in Wittgenborn bei der Deutschen Meisterschaft, und darauf konzentriere ich mich heute. Die Strecke finde ich wirklich gelungen, der neue Asphalt hat einen super Grip und aus dem Off Road haben sie mit dem was im Infield zur Verfügung steht auch das Beste herausgeholt. Die Strecke macht auf jeden Fall richtig Spaß und wie immer freue ich mich auf die Rennen.“

Bei fast tropischen Temperaturen fand am Samstag nachmittag das Zeittraining statt. Nicht unerwartet sicherte sich Marc-Reiner Schmidt die Pole Position vor Markus Class, Jan Deitenbach und Gaststarter Romain Kaivers. Dahinter folgten Simon Vilhelmsen, Hampus Gustafson, Bernhard Hitzenberger und Tim Szalai.

Start Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021Nach dem Start des 1. Laufs war die Verteilung der Positionen für einen Augenblick etwas unklar: kurz schien Jan Deitenbach die Nase vorn zu haben, letztlich durchsetzen konnte sich aber Marc-Reiner Schmidt, dicht gefolgt von Markus Class, so dass für Deitenbach zu Beginn der ersten Runde die dritte Position blieb. Schnell setzten sich Schmidt und Class an der Spitze ab, Deitenbach wurde vom amtierenden Meister Simon Vilhelmsen verfolgt, deRomain Kaivers Supermoto IDM Wittgenborn 2021r sich ganz offensichtlich mit der vierten Position nicht zufrieden geben wollte. Dahinter fuhren Romain Kaivers, Bernhard Hitzenberger und Peter Banholzer, der schon beim Start zwei Plätze gut machen konnte und sich auf der an Überholmöglichkeiten raren Strecke alle Mühe gab, an seinem Teamkollegen Hitzenberger vorbei zu kommen. Schließlich gelang es ihm gleichzuziehen, allerdings kollidierten beide leicht, Banholzer zog dabei den Kürzeren, stürzte und verlor dabei die beim Start gewonnen Positionen.

Gegen Mitte des Rennens zog Vilhelmsen an Deitenbach vorbei und konnte sich relativ schnell so weit absetzen, dass es keinen unmittelbaren Druck von hinten mehr gab. Die Positionen an der Spitze blieben derweil unverändert, während Class zunächst den Anschluss an Schmidt halten konnte, fiel er im Zuge des Überrundens dann doch deutlich zurück. Marc-Reiner Schmidt gewann den 1. Lauf mit gewohnter Souveränität gefolgt von Markus Class und Simon Vilhelmsen. Jan Deitenbach wurde Vierter vor Gaststarter Romain Kaivers und Hampus Gustafson.  

Marc Reiner Schmidt Supermoto IDM Wittgenborn 2021Schmidt, der keinen Hehl daraus macht, dass er bei der IDM fährt um zu gewinnen, war mit dem Rennverlauf zufrieden: „Im Zeittraining konnte ich mich in zwei Runden direkt auf Platz 1 positionieren vor Markus Class. Ich hatte zeitlich relativ viel Vorsprung vor ihm, vielleicht lag es an den ziemlich kurzen Runden, aber ich hoffe, dass er wieder etwas aufschließt, dann könnte es bei der WM -sofern er dort fährt- sehr leicht zu einem gleichwertigen Vierkampf mit Tom, mir, Luki ( …Höllbacher ) auf KTM und Markus auf Husqvarna kommen. Die Deutsche Meisterschaft mach mir Spaß, aber meine Priorität ist auf jeden Fall die Italienische Meisterschaft und die Weltmeisterschaft, wenn ich nach Deutschland komme, dann um zu gewinnen, und in diesem Jahr würde ich gerne mal wieder den Titel mit nach Hause nehmen. Im Moment sieht es so aus, als ob es eine Terminüberschneidung Marc Reiner Schmidt Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021geben könnte. Aber auch mit einem Streichergebnis könnte es immer noch klappen, hängt natürlich davon ab, was die anderen Jungs so fahren, aber im Moment bin ich sehr optimistisch und rechne auch nicht mit Patzern. In Ottobiano bin ich mit Tom fast zeitgleich über die Ziellinie gefahren mit 19 Sekunden Abstand zum Markus, heute waren es 7 Sekunden, also bei mir ist noch Luft nach oben, aber wie es zum Schluss aussieht, werden wir dann sehen.

Der erste Lauf heute ist für mich gut gelaufen, ich bin am Start gut weggekommen und konnte auch zügig etwa 7 Es regnet Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021Sekunden Abstand herausfahren. Gegen Ende des Rennens fing es leicht zu regnen an, aber alle Fahrer waren mit Slicks am Start, deshalb war auch das kein Problem. Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden und möchte mich bei meinem Team und meiner Familie bedanken, dass ich hier bei der IDM mitfahren kann, und natürlich auch bei meinen Sponsoren für die Unterstützung und die guten Produkte, mit denen sie mich ausstatten.“

Auch nach dem Start des zweiten Laufs waren die Positionen kurz etwas unklar: unmittelbar nach dem Start war kurz Deitenbach vorne, aber auch diesmal nahm Marc-Reiner Schmidt sehr schnell und unangefochten die Spitze des Fahrerfeldes ein, dicht gefolgt von Markus Class und -etwas dahinter- Jan Deitenbach. Simon Vilhelmsen lag erneut hinter Deitenbach, anders als im 1. Lauf konnte er jedoch im Verlauf des Rennens nicht auf Schlagweite an Jan herankommen. An Simons Fersen heftete sich Hampus Gustafson, der jedoch nicht an Vilhelmsen vorbeikam, gefolgt von Peter Banholzer, der erneut bei einem erfolgreichen Start Plätze gut gemacht hatte und die sechste Position bis zum Ende des Rennens erfolgreich gegen Romain Kaivers verteidigte.

Wie schon im ersten Lauf hielt Markus Class zunächst den Anschluss an Marc-Reiner Schmidt, es zeigte sich aber erneut, dass er auf Länge Schmidts Tempo nicht halten konnte. Schmidt gewann auch den zweiten Lauf souverän vor Markus Class und Jan Deitenbach: „Im ersten Jan vor Simon Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021Rennen war Simon einfach bärenstark unterwegs. Ich hatte eigentlich eine gute Racepace, aber wir hatten das ganze Wochenende schon Probleme mit der Vorderradbremse. In der Doppellinks habe ich schon gemerkt, dass Simon innen rein will, und ich hab mir schließlich gedacht, das ist das erste Rennen der Saison, da kann man mehr verlieren als gewinnen, darum hab auch nicht ernsthaft dagegengehalten. Ich hab zwar dann versucht, hinterherzufahren, aber Simon war einfach schneller. Im zweiten Lauf habe ich wieder einen super Start gehabt, ich wusste aus dem ersten Rennen, wo Simon attackieren wird und habe an der Stelle dann zu gemacht, so dass er nicht vorbeikam. Mit dem Ergebnis und dem ganzen Wochenende bin ich superglücklich, mein Sohn ist zum ersten Mal dabei, alles ist perfekt. Bei mir ist es immer schon so gewesen, dass ich am schnellsten unterwegs bin, wenn ich glücklich und zufrieden bin. Im Moment passt einfach alles, Team und Motorrad sind perfekt, meine Freundin und mein Sohn sind hier, und das macht mich schon ziemlich stolz und ist eine Riesenmotivation.“

Peter Bannholzer Supermoto IDM Wittgenborn 2021Mit einem 9. Platz im ersten und dem 6. Platz im zweiten Lauf war der amtierende Vizemeister am ersten Renntag etwas glücklos unterwegs: „Mein Fazit für dieses Wochenende ist eher schlecht. Letzte Woche waren wir bei der Schweizer Meisterschaft in Ottobiano, da wars noch wärmer, aber dort bin ich in einem Rennen immerhin Zweiter geworden. Dieses Wochenende hatte ich im Training schon Probleme mit der Fahrwerkseinstellung und überhaupt mit dem hier zurechtkommen. Im ersten Rennen bin ich dann auch noch kurz gestürzt, naja, alles nicht so toll. Ich hoffe jedenfalls, dass es in zwei Wochen in Schleiz und überhaupt für den Rest der Saison besser klappt als dieses Wochenende.“

Für Markus Class kamen beide Platzierungen hinter Marc-Reiner Schmidt nicht unerwartet: „Ich bin im Moment mit einem Motorrad von Markus Class Supermoto IDM DM Wittgenborn 20212019 mit inzwischen schon 50 Betriebsstunden unterwegs, letztes Jahr habe ich komplett pausiert, und in der oberen Liga sind zwei Jahre ein Riesensprung, und das aufzuholen passiert nicht innerhalb weniger Wochen; da kann man keine Wunder erwarten. Andererseits fahre ich im Moment Just for Fun, insofern auch nicht bei der WM/EM. Allerdings kann man mit dem Motorradsport nicht einfach so aufhören, wenn die Motorräder da sind, kribbelt es auch immer. Von daher bin ich über die beiden Platzierungen nicht enttäuscht. Vor einigen Wochen waren wir in Ottobiano anlässlich der italienischen Meisterschaft, da ist die Luft nochmal eine ganz andere, das kann man mit der IDM gar nicht vergleichen. In Italien fahre ich nicht um den 1. oder 2. Platz, sondern etwas um den 3. oder 4. Platz herum. Das Niveau der Werksteams, und Marc-Reiner fährt ja auch mehr oder weniger ein Werksmotorrad, ist einfach ein ganz anderes, in den letzten zwei Jahren sogar nochmal gestiegen, aber alles andere ist auch kein Ansporn für mich.“

Das letzte Wort gehört dem amtierenden Deutschen Meister, Simon Vilhelmsen: „Im ersten Lauf hatte ich das Gefühl, das ich deutlich schneller war als Jan, deshalb habe ich mir die Zeit genommen herauszufinden, wo ich an ihm vorbeiziehen könnte; kurz vorder Start-/Zielgeraden hat sich schließlich die Möglichkeit geboten und ich bin vorbei. Im zweiten Lauf hat Jan die Tür leider dicht gelassen, aber der Speed ist auf jeden Fall vorhanden, und insofern bin ich mit dem Gesamtergebnis des Wochenendes durchaus zufrieden.

Ich fahre in dieser Saison mit einem neuen Motorrad, einer Yamaha, und es ist für mich im Moment eine neue Herausforderung, die Simon Vilhelmsen vor Jan Deitenbach Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021 5RD1009Stärken und Schwächen zu finden, um das Bestmögliche aus dem Bike herauszuholen. Wegen Corona hatten wir leider nicht allzu viel Zeit zum testen, deshalb bin ich natürlich umso zufriedener, dass es gleich im ersten Lauf der Saison fürs Podium gereicht hat. Ich arbeite immer noch mit Markus Haas von MH Motorräder zusammen, aber Yamaha Skandinavien hat mir ein sehr gutes Angebot gemacht, das Motorrad zu promoten und zu testen, und ich muss sagen, das Bike ist wirklich phantastisch und ich bin sehr glücklich, dass Yamaha mir diese großartige Simon Vilhelmsen Supermoto IDM DM Wittgenborn 2021Möglichkeit geboten hat. Das Team besteht nach wie vor aus den gleichen Leuten, ich bin immer noch derselbe, nur das Motorrad ist ein anderes. Ich finde auch den Look sehr gelungen und bin zuversichtlich, dass wir alle zusammen eine gute Saison fahren werden. Ich hoffe nun, dass ich mich schnell an das Motorrad gewöhne und möglichst oft auf dem Podium stehen kann. Insbesondere wünsche ich mir natürlich, dass ich am Ende erneut Deutscher Meister sein werde, aber wenn Marc-Reiner alle Rennen mitfährt, dürfte dieser Wunsch ziemlich aussichtslos sein. Er ist im Moment einfach unerreichbar, ein professioneller Fahrer eben. Möglich ist der Meistertitel trotzdem, und ich hoffe, dass es mir gelingt.“  

Nach dem ersten Renntag führt Marc-Reiner Schmidt die Gesamtwertung an, vor Jan Deitenbach auf Platz 2 und dem punktgleichen Simon Vilhelmsen auf Platz 3.

Wenn man davon ausgeht, dass Marc-Reiner Schmidt auch in dieser Saison konkurrenzlos unterwegs ist, sieht es nach einem Renntag in der IDM so aus, als ob es auch -wie bereits in 2019- auch in diesem Jahr zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Simon Vilhelmsen und Jan Deitenbach kommen könnte. Der nun hinter uns liegende Saisonauftakt lässt jedenfalls auf eine äußerst spannende Saison hoffen.

Der nächste Renntag findet bereits am Wochenende 03./04.07.2021 im schönen Vogtland auf dem Straßenparcours des Schleizer Dreiecks statt.

Bis dahin: machts gut.

Herzlichst Euer

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